Galerieansicht

Erwin Gross

“Manalish”
vom 21. Juli 2018 bis 10. Oktober 2018

Es könnten Nebelfelder sein, diffuse atmosphärische Erscheinungen, aus denen sich ganz allmählich vage Landschaftsmotive herausschälen – Felsen, Wälder, Meere. Aber der Eindruck des Naturhaften in der Werkreihe Manalish gründet sich weniger auf das Motiv, auf die malerische Nachbildung natürlicher Formen. Mehr noch ist er dem Entstehungsprozess dieser Malerei geschuldet, dem langsamen Emporwachsen naturnaher Formationen aus dem Bildgrund.

Die Leinwand wird von Gross zunächst nicht als Bild konzipiert und visuell kontrolliert, sondern in einem sehr wörtlich genommenen Modernismus als Feld bearbeitet: nicht an der Wand hängend, sondern auf dem Boden liegend, umkreist, von allen Seiten her durchforstet. Schicht um Schicht entstehen vegetabile und geologische Strukturen aus der Anlagerung von Malmaterial in vorwiegend Grau-, Grün- und Brauntönen – eine Topographie von Pigmenten, Acryl und Marmorstaub in unterschiedlicher Verdünnung geschüttet, mit dem Pinsel aufgetragen, verrieben, abgekratzt.

Die Bilder scheinen hier zu wachsen wie die benachbarten Pflanzen im Atelier eines Malers, der auch ein Gärtner ist. Nach und nach nehmen die gewebten Fasern der Leinwände die Farben einer naturnahen Palette auf, werden materiell gesättigt, verdichtet, ausgedünnt, so dass sich auf dem Bildträger ein malerisches Gelände formiert – mit Kratern und Erhebungen, Furchen und Höhenzügen. Im Dialog mit den zumeist ungewissen Landschaftsmotiven der Darstellung erschließt sich diese zweite haptische Landschaft der Maloberfläche erst der nahen Sicht.

Es wäre darum zu kurz gegriffen, das Landschaftliche der Werkreihe Manalish in der Imitation von Motiven zu verorten – in den Felsen, Wäldern und Meeren, die hier und da schattenhaft hervortreten. Diese Malerei unterhält ein viel grundlegenderes Verhältnis zur Natur als dasjenige der Mimesis. In einem Kolorismus, dessen Nuancenreichtum sich in der Beschränkung verwirklicht, agiert sie parallel zu den natürlichen Prozessen des Wachsens und Anhäufens – weniger Landschaftsbild, als Bildung einer rein malerischen Landschaft.

Carolin Meister

Vita

  • born 1953 in Langenbrücken/Baden, Germany;
  • lives and works in Karlsruhe;
  • 1975-80 studies in painting at the Staatliche Akademie der Bildenden Künste with Peter Ackermann;
  • 1980-82 studies at „de Ateliers“ in Haarlem, Netherlands;
  • 1981 scholarship from Deutscher Akademischer Austauschdienst (DAAD);
  • since 1990 professor of painting at the Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe;

Solo exhibitions

  • 2018 Manalish, Filsers, Mainburg
  • 2017 FOCKEA, Galerie Bernd Kugler, Innsbruck
  • 2015 Malerei / Skulptur (with Johannes Esper), Weltecho Galerie, Chemnitz
    Erwin Gross, Galerie Bernd Kugler, Innsbruck
  • 2013 Landschaften, Museum Zitadelle Jülich
    Erwin Gross, EINRAUMHAUS Mannheim
    Gross, Museum der Rheinromantik, Königswinter
    Erwin Gross, Galerie Bernd Kugler, Innsbruck (cat.)
  • 2011 Malerei, Galerie Bernd Kugler, Innsbruck (cat.)
    Erwin Gross, Kunstverein Reutlingen
  • 2010 Neue Malerei, Galerie Bernd Kugler, Innsbruck
  • 2008 Malerei 1982-2007, Städtische Galerie Karlsruhe (cat.)
    Erwin Gross bei Bogner, Esslingen am Neckar
  • 2005 Eremitage, Galerie Westend, Munich
  • 2004 Feuerwerk und Schiffsunglück, Forum für Kunst, Heidelberg
  • 2001 Erwin Gross, Galerie Baumgarten, Freiburg im Breisgau
  • 2000 Ruisdael-Paraphrasen, Kunstverein Das Damianstor, Bruchsal
  • 1999 Erwin Gross, Raum für Bilder, Berlin
  • 1997 Erwin Gross, Staatliche Kunsthalle Baden-Baden (cat.)
  • 1996 Neue Bilder, Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe, Lichthof
  • 1992 Erwin Gross, Galerie Karlheinz Meyer, Karlsruhe
  • 1990 Kunstverein Augsburg (with Karl Schleinkofer)
  • 1988 Erwin Gross, Galerie Neuendorf, Frankfurt/Main (cat.)
  • 1984 Erwin Gross, Waddington Galleries, London

Selected group exhibitions

  • 2018 Terra fecunda est, Galerie Bernd Kugler, Innsbruck
  • 2017 ADELE, Galerie Zink, Waldkirchen
    The Gift Collection 2017, Office Galerie Bernd Kugler, Innsbruck
  • 2016 still still life, Galerie Bernd Kugler, Innsbruck
    The Gift Collection 2016, Office Galerie Bernd Kugler, Innsbruck
  • 2015 Kunstakademie Karlsruhe, Städtische Galerie Karlsruhe
    Der besondere Blick – Künstler als Sammler, Kunstverein Wilhelmshöhe Ettlingen
  • 2014 Von Ackermann bis Zabotin, ZKM Karlsruhe
    ENDOSCOPIA, Part 1 and 2, Galerie Bernd Kugler, Innsbruck
    DELTA-BEBEN, Regionale 2014, Wilhelm Hack-Museum, Ludwigshafen
  • 2013 “Geboren 1953 – 60 Jahre Kunstverein Reutlingen”, Kunstverein Reutlingen
    “Il faut être peintre….”, Galerie Bernd Kugler, Innsbruck
  • 2012 Black Oriental, Galerie Bernd Kugler, Innsbruck
  • 2011 Aller Zauber liegt im Bild, Kunstmuseum Würth, Künzelsau
  • 2010 25+25, 25 Künstler aus 25 Jahren, Kunstverein Wilhelmshöhe Ettlingen
  • 2004 150 Jahre Kunstakademie Karlsruhe, Staatliche Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe (cat.)
  • 2002 Schwarzwaldhochstraße – aktuelle Kunst in und aus Baden-Württemberg (cat.)
  • 2000 Transarcadia revisited, Skulpturhalle Basel (cat.)
    Stiftung Wörlen, Passau
  • 1999 Landschaften eines Jahrhunderts, Sammlung Deutsche Bank, Museum Moderner Kunst Frankfurt/Main (cat.)
  • 1988 La collection Agnés et Frits Becht, Museé d’Art Moderne, Villeneuve d‘Ascq
  • 1985 Ateliers 63, 1980-1985, Museum Fodor, Amsterdam (cat.)
  • 1984 Sammlung Becht/Collectie Agnes en Frits Becht, Stedelijk Museum Amsterdam (cat.)
  • 1982 documenta 7, Kassel (cat.)

Public collections

  • Kunstmuseum Würth
  • Städtische Galerie Karlsruhe
  • Kunsthalle Karlsruhe
  • Sammlung der Deutschen Bank Frankfurt
  • Stedelijk Museum Amsterdam
  • ZKM Karlsruhe